Historie der Schtzenfeste in Wiedenbrgge-Schmalenbruch

Letzte Aktualisierung:26.02.2014 10:11 


Festumzug in den 1920ern

Foto entstand "Auf der Heide", vor den heutigen Husern Pfingsten und Stellmacher, im Vordergrund die Trasse der Steinhuder Meer Bahn.

Vorbemerkung und Danksagung

Diese Internetseite wurde im November 2008 erstmalig im WEB verffentlicht. Also zu einer Zeit, in dem in Wiedenbrgge gerade zum sechsten Mal infolge "Das Kleinste Schtzenfest der Welt" gefeiert wurde. Bis dahin war es ein langer Weg. Denn glaubt man den berlieferten Erzhlungen, dann begann die Schtzenfesttradition in unseren Drfern bereits vor der vorletzten Jahrhundertwende!

"Schon um das Jahr 1880 herum versammelten sich die Mnner unserer Orte, um in frhlicher Gemeinschaft einen Schiewettbewerb durchzufhren ..." berichtet Altbrgermeister und Dorfchronist Friedrich-Wilhelm Nlke  in der Festschrift zum Schtzenfest 1980. "Wilfried" Nlke gebhrt denn auch ein ganz besonderer Dank, denn er hat zur Entstehung dieser (und noch folgender Seiten) in ganz erheblichem Mae beigetragen. Auerdem bedanken wir uns bei allen denjenigen, die uns die historischen Fotos zur Verfgung gestellt haben.

Um die vorletzte Jahrhundertwende
"Dat Schmalenbroiker Scheiten"

Wie schon oben berichtet, gehen die Erzhlungen ber das erste Schtzenfest in unseren Drfern auf das Jahr 1880 zurck. Damals - so die mndlichen berlieferungen - wurde der Schiewettbewerb auf der Grnen Wiese ausgetragen. Und zwar im Ortsteil Schmalenbruch. Auch in der weiteren Umgebung soll diese Open-Air-Veranstaltung als das "Schmalenbroiker Scheiten" bekannt und beliebt  gewesen sein.

"Gefeiert wurde am Sonntag. Groe Korbflaschen mit 'Haakchen Korn' hingen in dem khlen Soot (Brunnen) und wurden bei Bedarf herauf gezogen und geleert. Die Bierfsser wurden von Zeit zu Zeit mit nassen Tchern und Scken bedeckt, damit das Bier khl blieb. Gegen Mittag trafen die Frauen ein und brachten 'dat Freustcke'. Schinken, Speck und Mettwurst wurden mit dem Taschenmesser 'ber den Daumen' gefrhstckt."

Von etwa 1890 an wurde das Schtzenfest im Zelt gefeiert, mit Blasmusik. Zwischen 1895 und 1900 soll das Zelt auch auf der Landwehr (heute Hof Hesterberg) gestanden haben. Dort befand sich ber Jahrhunderte eine Gast- und Raststtte an der schaumburg-lippisch-preuischen Grenze.

Grndung des Kriegervereins 1899

Nach dem deutsch-franzsischen Krieg 1870/71 bildeten sich berall Traditionsgemeinschaften ehemaliger Soldaten, aus denen die "Kriegervereine" hervor gingen. Der rtliche Kriegerverein wurde 1899 gegrndet und bernahm fortan zusammen mit einem Festwirt die Ausgestaltung des "Kriegerfestes".

Nach der Inbetriebnahme der Steinhuder Meer Bahn stand das Festzelt zumeist an den Bahnhfen in Schmalenbruch oder Wiedenbrgge. Im Jahr 1907 oder 1908 soll whrend des Festes ein schweres Unwetter gewtet haben. Das Festzelt das in "Hasemanns Wisch" (spter der Standort des Schweinestalls der Kammeyer-schen Molkerei) soll dabei komplett abgedeckt worden sein. Nach dem Unwetter ging das Fest jedoch weiter.

Ein 30-Liter-Fass Bier kostete dem Kriegerverein sechs Mark, ein Liter Cognac kostete zwei Mark zehn und ein Liter Korn eine Mark. Ein Musiker bekam sieben Mark fr den Auftritt, und der Schiebudenbesitzer Dowelstein musste drei Mark Standgeld entrichten.

Zwischen den Weltkriegen
Grndung des Schtzenvereins 1930

1914 begann der Erste Weltkrieg. Die Feste waren vorbei. Dem Kriegselend folgten Not und Inflation. Das erste "Schtzenfest" - wie es jetzt offiziell hie - wurde 1928 gefeiert. Auf Betreiben des Kriegervereins und des damaligen Pchters der hiesigen Jagd, Herrn Eckstein aus Hannover.

Inzwischen hatte der Kriegerverein an der Wiedenbrgger Heide (heute Verlngerung des Fasanenweges) einen Schiestand errichtet. "Sparsamkeit" wurde gro geschrieben: Die verschossenen Patronenhlsen wurden eingesammelt und vom damaligen Schmiedemeister Wilhelm Krull wieder mit Pulver und Geschoss auf gefllt.

Der Schtzenknig 1928 hie Fritz Krull, Nr. 23. Vieles war nach zu holen. Unsere damals knapp 400 Einwohner tranken an den Schtzenfesttagen 22 Hektoliter Bier aus - eine fhrwahr beachtliche Leistung!

1930 geht aus dem Kriegerverein der Schtzenverein hervor. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wird der Verein von den Nationalsozialisten zwangsaufgelst. Seit seiner Wiedergrndung am 29. Januar 1952 nennt er sich "Kleinkaliber-Sportschtzenverein von 1930 e.V.".

In der 30er Jahren feierte man das Schtzenfest im Festzelt auf dem alten Sportplatz (heute Siedlung Fasanenweg). Und zwar am Sonntag und am Montag. Schtzenfestmajor Kauke und sein Adjutant August Slter fhrten den Schtzenrundmarsch hoch zu Ross an. Unvergessen, so berichtet Chronist Wilfried Nlke, seien die Ansprachen des Majors Kauke, die stets mit dem Vers "Deutsche Frauen - Deutsche Treue!" ausgeklungen wren. Mitte der 30er Jahre begann die "Braune Brut" ihr unheilvolles Wirken, und wie die nebenstehenden Fotos zeigen, machten sich auch in unseren Drfern vereinzelt nationalsozialistische Gepflogenheiten und Insignien breit.

1939 begann der Zweite Weltkrieg. Im Sommer 1939 wurde das letzte Schtzenfest dieser Epoche gefeiert. Schtzenknig wurde Wilhelm Widdel, Schmalenbruch Nr. 2.

Nach dem Kriege

Das erste Schtzenfest nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1950 gefeiert. Erster Schtzenknig der "Nachkriegszeit" wurde Heinrich Widdel, Windhorn Nr. 50. Im Jahr darauf folgte der heutige Ehrenoberst des Schtzenvereins Heinrich Wilkening, "der Schlachter".

In den Jahren 1969 bis 1971 fiel das Schtzenfest aus. Schtzenverein und Festwirt wurden sich ber die Abrechnungsmodalitten nicht einig. Den Erzhlungen nach, soll es sich bei dem Streit um einen Betrag von 50,- DM gehandelt haben. 1972 feierte Wiedenbrgge sein 750jhriges Bestehen, und 1973 fand in Wiedenbrgge das erste gemeinsame Schtzenfest der im Rahmen der Gebietsreform neu gegrndeten Gemeinde Wlpinghausen statt. Dazu zhlen Bergkirchen, Wlpinghausen und Wiedenbrgge-Schmalenbruch.

In den darauf folgenden Jahren wurde das Schtzenfest gemeinsam in Wlpinghausen gefeiert. Aber nachdem es 1975 zu einem "frchterlichen Eklat" kam - ber den die Meinungen aller Beteiligten weit auseinander gehen - feierte Wiedenbrgge-Schmalenbruch ab 1976 wieder ein eigenes Schtzenfest.

Bereits in den 1990er Jahren wurde es zunehmend schwieriger, das Schtzenfest zu finanzieren. Die Ausgaben stiegen kontinuierlich und die Einnahmen sanken leider Gottes auch kontinuierlich. Als das Fest 2003 ernsthaft auf der Kippe stand, war dies zugleich die Geburtsstunde einer neuen Schtzenfestkategorie. Seitdem feiern wir in Wiedenbrgge "Das Kleinste Schtzenfest der Welt".

1930:
Kriegerverein vor Denkmal an der Dorfschule (steht heute auf dem Friedhof) - Grndung des Schtzenvereins Wiedenbrgge

1935:
Aufgalopp in "Wilkenings Wisch" - heute Wiese Lbking, Sicht in Richtung Schmalenbruch, im Hintergrund Hof Widdel

1935:
Zusammenstellung des Festumzuges - streng paramilitrisch

1935:
Annageln der Knigsscheibe, heute Haus Vogt, Im alten Dorfe

1936:
Antreten zum Schtzenrundmarsch

1936:
Annageln der Knigsscheibe, ehemaliger Bahnhof Wiedenbrgge der Steinhuder Meer Bahn, Gassttte Hasemann, Gebude ist heute im Besitz der Samtgemeinde Sachsenhagen

1941:
Alter Schiestand am "Blauen Berg", Verlngerung des heutigen Fasanenweges, Errichtung etwa um 1928, der Kugelfang bestand aus einer Abraumhalde, davor befand sich ein gemauerter Anzeigenstand, geschossen wurde mit grokalibrigen Karabinern, spter wurde ein Kanonenofen als Heizung installiert

1939:
Das letzte Schtzenfest vor dem zweiten Weltkrieg, die Frau in der Mitte ist Sophie Wilkening, die Mutter des langjhrigen Schtzenobersten Heinz Lbking, damals Hof Wilkening - heute Hof Lbking, links: Schtzenoberst Kauke, im Hintergrund: Kapelle Karl Tieste, vorn mit Hut: Schtzenknig Wilhelm Widdel

1951:
Salutieren beim Annageln der Schtzenscheibe bei Heinrich Wilke-ning - dem "Schlachter" - in Schmalenbruch, heute Haus Titze

1951:
links: Der Schtzenknig Heinrich Wilkening mit Lorbeerkranz und in Husarenuniform, rechts: Heinrich Brandes sen. aus Windhorn; Angaben zur dritten Person folgen

 

1953:
Schtzenrundmarsch Im alten Dorf, im Hintergrund der Hof Kster - heute Sitz des Frhstyxradios, vorn: Klaus Bvers





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