Historie der Schützenfeste in Wiedenbrügge-Schmalenbruch

Letzte Aktualisierung: 11.06.2016 17:01


Festumzug in den 1920ern

Foto entstand "Auf der Heide", vor den heutigen Häusern Pfingsten und Stellmacher, im Vordergrund die Trasse der Steinhuder Meer Bahn.

Vorbemerkung und Danksagung

Diese Internetseite wurde im November 2008 erstmalig im WEB veröffentlicht. Also zu einer Zeit, in dem in Wiedenbrügge gerade zum sechsten Mal infolge "Das Kleinste Schützenfest der Welt" gefeiert wurde. Bis dahin war es ein langer Weg. Denn glaubt man den überlieferten Erzählungen, dann begann die Schützenfesttradition in unseren Dörfern bereits vor der vorletzten Jahrhundertwende!

"Schon um das Jahr 1880 herum versammelten sich die Männer unserer Orte, um in fröhlicher Gemeinschaft einen Schießwettbewerb durchzuführen ..." berichtet Altbürgermeister und Dorfchronist Friedrich-Wilhelm Nölke  in der Festschrift zum Schützenfest 1980. "Wilfried" Nölke gebührt denn auch ein ganz besonderer Dank, denn er hat zur Entstehung dieser (und noch folgender Seiten) in ganz erheblichem Maße beigetragen. Außerdem bedanken wir uns bei allen denjenigen, die uns die historischen Fotos zur Verfügung gestellt haben.

Um die vorletzte Jahrhundertwende
"Dat Schmalenbroiker Scheiten"

Wie schon oben berichtet, gehen die Erzählungen über das erste Schützenfest in unseren Dörfern auf das Jahr 1880 zurück. Damals - so die mündlichen Überlieferungen - wurde der Schießwettbewerb auf der Grünen Wiese ausgetragen. Und zwar im Ortsteil Schmalenbruch. Auch in der weiteren Umgebung soll diese Open-Air-Veranstaltung als das "Schmalenbroiker Scheiten" bekannt und beliebt  gewesen sein.

"Gefeiert wurde am Sonntag. Große Korbflaschen mit 'Haakchen Korn' hingen in dem kühlen Soot (Brunnen) und wurden bei Bedarf herauf gezogen und geleert. Die Bierfässer wurden von Zeit zu Zeit mit nassen Tüchern und Säcken bedeckt, damit das Bier kühl blieb. Gegen Mittag trafen die Frauen ein und brachten 'dat Freustücke'. Schinken, Speck und Mettwurst wurden mit dem Taschenmesser 'über den Daumen' gefrühstückt."

Von etwa 1890 an wurde das Schützenfest im Zelt gefeiert, mit Blasmusik. Zwischen 1895 und 1900 soll das Zelt auch auf der Landwehr (heute Hof Hesterberg) gestanden haben. Dort befand sich über Jahrhunderte eine Gast- und Raststätte an der schaumburg-lippisch-preußischen Grenze.

Gründung des Kriegervereins 1899

Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 bildeten sich überall Traditionsgemeinschaften ehemaliger Soldaten, aus denen die "Kriegervereine" hervor gingen. Der örtliche Kriegerverein wurde 1899 gegründet und übernahm fortan zusammen mit einem Festwirt die Ausgestaltung des "Kriegerfestes".

Nach der Inbetriebnahme der Steinhuder Meer Bahn stand das Festzelt zumeist an den Bahnhöfen in Schmalenbruch oder Wiedenbrügge. Im Jahr 1907 oder 1908 soll während des Festes ein schweres Unwetter gewütet haben. Das Festzelt das in "Hasemanns Wisch" (später der Standort des Schweinestalls der Kammeyer-schen Molkerei) soll dabei komplett abgedeckt worden sein. Nach dem Unwetter ging das Fest jedoch weiter.

Ein 30-Liter-Fass Bier kostete dem Kriegerverein sechs Mark, ein Liter Cognac kostete zwei Mark zehn und ein Liter Korn eine Mark. Ein Musiker bekam sieben Mark für den Auftritt, und der Schießbudenbesitzer Dowelstein musste drei Mark Standgeld entrichten.

Zwischen den Weltkriegen
Gründung des Schützenvereins 1930

1914 begann der Erste Weltkrieg. Die Feste waren vorbei. Dem Kriegselend folgten Not und Inflation. Das erste "Schützenfest" - wie es jetzt offiziell hieß - wurde 1928 gefeiert. Auf Betreiben des Kriegervereins und des damaligen Pächters der hiesigen Jagd, Herrn Eckstein aus Hannover.

Inzwischen hatte der Kriegerverein an der Wiedenbrügger Heide (heute Verlängerung des Fasanenweges) einen Schießstand errichtet. "Sparsamkeit" wurde groß geschrieben: Die verschossenen Patronenhülsen wurden eingesammelt und vom damaligen Schmiedemeister Wilhelm Krull wieder mit Pulver und Geschoss auf gefüllt.

Der Schützenkönig 1928 hieß Fritz Krull, Nr. 23. Vieles war nach zu holen. Unsere damals knapp 400 Einwohner tranken an den Schützenfesttagen 22 Hektoliter Bier aus - eine führwahr beachtliche Leistung!

1930 geht aus dem Kriegerverein der Schützenverein hervor. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wird der Verein von den Nationalsozialisten zwangsaufgelöst. Seit seiner Wiedergründung am 29. Januar 1952 nennt er sich "Kleinkaliber-Sportschützenverein von 1930 e.V.".

In der 30er Jahren feierte man das Schützenfest im Festzelt auf dem alten Sportplatz (heute Siedlung Fasanenweg). Und zwar am Sonntag und am Montag. Schützenfestmajor Kauke und sein Adjutant August Sölter führten den Schützenrundmarsch hoch zu Ross an. Unvergessen, so berichtet Chronist Wilfried Nölke, seien die Ansprachen des Majors Kauke, die stets mit dem Vers "Deutsche Frauen - Deutsche Treue!" ausgeklungen wären. Mitte der 30er Jahre begann die "Braune Brut" ihr unheilvolles Wirken, und wie die nebenstehenden Fotos zeigen, machten sich auch in unseren Dörfern vereinzelt nationalsozialistische Gepflogenheiten und Insignien breit.

1939 begann der Zweite Weltkrieg. Im Sommer 1939 wurde das letzte Schützenfest dieser Epoche gefeiert. Schützenkönig wurde Wilhelm Widdel, Schmalenbruch Nr. 2.

Nach dem Kriege

Das erste Schützenfest nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1950 gefeiert. Erster Schützenkönig der "Nachkriegszeit" wurde Heinrich Widdel, Windhorn Nr. 50. Im Jahr darauf folgte der heutige Ehrenoberst des Schützenvereins Heinrich Wilkening, "der Schlachter".

In den Jahren 1969 bis 1971 fiel das Schützenfest aus. Schützenverein und Festwirt wurden sich über die Abrechnungsmodalitäten nicht einig. Den Erzählungen nach, soll es sich bei dem Streit um einen Betrag von 50,- DM gehandelt haben. 1972 feierte Wiedenbrügge sein 750jähriges Bestehen, und 1973 fand in Wiedenbrügge das erste gemeinsame Schützenfest der im Rahmen der Gebietsreform neu gegründeten Gemeinde Wölpinghausen statt. Dazu zählen Bergkirchen, Wölpinghausen und Wiedenbrügge-Schmalenbruch.

In den darauf folgenden Jahren wurde das Schützenfest gemeinsam in Wölpinghausen gefeiert. Aber nachdem es 1975 zu einem "fürchterlichen Eklat" kam - über den die Meinungen aller Beteiligten weit auseinander gehen - feierte Wiedenbrügge-Schmalenbruch ab 1976 wieder ein eigenes Schützenfest.

Bereits in den 1990er Jahren wurde es zunehmend schwieriger, das Schützenfest zu finanzieren. Die Ausgaben stiegen kontinuierlich und die Einnahmen sanken leider Gottes auch kontinuierlich. Als das Fest 2003 ernsthaft auf der Kippe stand, war dies zugleich die Geburtsstunde einer neuen Schützenfestkategorie. Seitdem feiern wir in Wiedenbrügge "Das Kleinste Schützenfest der Welt".

1930:
Kriegerverein vor Denkmal an der Dorfschule (steht heute auf dem Friedhof) - Gründung des Schützenvereins Wiedenbrügge

1935:
Aufgalopp in "Wilkenings Wisch" - heute Wiese Lübking, Sicht in Richtung Schmalenbruch, im Hintergrund Hof Widdel

1935:
Zusammenstellung des Festumzuges - streng paramilitärisch

1935:
Annageln der Königsscheibe, heute Haus Vogt, Im alten Dorfe

1936:
Antreten zum Schützenrundmarsch

1936:
Annageln der Königsscheibe, ehemaliger Bahnhof Wiedenbrügge der Steinhuder Meer Bahn, Gasstätte Hasemann, Gebäude ist heute im Besitz der Samtgemeinde Sachsenhagen

1941:
Alter Schießstand am "Blauen Berg", Verlängerung des heutigen Fasanenweges, Errichtung etwa um 1928, der Kugelfang bestand aus einer Abraumhalde, davor befand sich ein gemauerter Anzeigenstand, geschossen wurde mit großkalibrigen Karabinern, später wurde ein Kanonenofen als Heizung installiert

1939:
Das letzte Schützenfest vor dem zweiten Weltkrieg, die Frau in der Mitte ist Sophie Wilkening, die Mutter des langjährigen Schützenobersten Heinz Lübking, damals Hof Wilkening - heute Hof Lübking, links: Schützenoberst Kauke, im Hintergrund: Kapelle Karl Tieste, vorn mit Hut: Schützenkönig Wilhelm Widdel

1951:
Salutieren beim Annageln der Schützenscheibe bei Heinrich Wilke-ning - dem "Schlachter" - in Schmalenbruch, heute Haus Titze

1951:
links: Der Schützenkönig Heinrich Wilkening mit Lorbeerkranz und in Husarenuniform, rechts: Heinrich Brandes sen. aus Windhorn; Angaben zur dritten Person folgen

 

1953:
Schützenrundmarsch Im alten Dorf, im Hintergrund der Hof Köster - heute Sitz des Frühstyxradios, vorn: Klaus Bövers