´╗┐ EXPO 2007 Wiedenbr├╝gge - Sketch Golanh├Âhen-Theatergruppe

EXPO 2007 - Sketch der Golanh├Âhen-Theatergruppe

Letzte Aktualisierung: 04.06.2016 14:03


Kapitel 22: Sketch der Golanh├Âhen-Theatergruppe

Vorbemerkungen

"Nat├╝rlich beteiligen wir uns aktiv am Kulturprogramm der Kleinsten EXPO der Welt"! Und wir werden einen Sketch auff├╝hren, den wir speziell f├╝r die EXPO selbst geschrieben haben." Das war die eindeutige Aussage der Golanh├Âhen-Theatergruppe vor deren Auftritt am Sonntagnachmittag.

Um diesen Sketch besser verstehen zu k├Ânnen, bedarf es einiger kurzer Erl├Ąuterungen: Schon seit vielen Jahren - jeweils in der Adventszeit - findet in Wiedenbr├╝gge die sogenannte Lesung statt. Dann streift sich n├Ąmlich der Wiedenbr├╝gger M├Ąrchenonkel J├╝rgen Hentschke seine "Brenninkmeyer" ├╝ber. Und - nachdem er sich einen Cognac eingeschenkt und einen Stumpen angez├╝ndet hat - liest er den Wiedenbr├╝ggern humorvoll die Leviten. Alle Figuren und deren Handlungen sind nat├╝rlich frei erfunden?! Schlie├člich passieren die Geschichten ja nicht in Wiedenbr├╝gge, sondern in Buchenbeeke.
Wer mehr ├╝ber die vorweihnachtlichen Lesungen wissen m├Âchte, der kann sich die Inszenierungen anschauen und auch alle Geschichten in unserem Internetarchiv   ... hier nachlesen

 

Die 1. Szene

M├Ąrchenonkel (Joachim Muth) erscheint in Stra├čenkleidung auf der B├╝hne. Er hat einen Stift und einen Schreibblock in der Hand, setzt sich an einen Tisch und ├╝berlegt:
M├Ąrchenonkel:
"Verdammt, mir f├Ąllt nichts ein! Es ist schon November ... Ich wei├č nicht, wie ich das bis Dezember schaffen soll ..."

Er steht auf und rennt auf und ab, rauft sich die Haare usw. Letztlich greift er zum Telefon:
M├Ąrchenonkel:
"Wer ist da? ... Ich bin's, J├╝rgen. Es ist November und das Jahr hat nun mal nur zw├Âlf Monate. Mir f├Ąllt nichts ein. ... Du musst mir helfen. ... Ja, ist gut, beeil Dich!"

Prolita (Lisa Dankwerth) erscheint als Engel verkleidet auf der B├╝hne. Sie ist v├Âllig au├čer Atem.
Prolita:
"Was ist denn los, J├╝rgen? Was soll das hei├čen, Dir f├Ąllt nichts ein? Wie kann das sein, Du hattest doch sonst immer so gute Ideen?"
M├Ąrchenonkel:
"Ach was! Sieht alles nur so aus. Die letztj├Ąhrige Geschichte war schon affig, aber nachdem wir nun im letzten Monat endlich das 'Sechs-Tage-Saufen' stattfinden lassen haben, ist es ganz vorbei."
Prolita:
"Du solltest Dich auch erst einmal vern├╝nftig einkleiden, vielleicht geht es dann besser?!"

Sie kleidet den M├Ąrchenonkel mit der Brenninkmeyer (Strickjacke) ein und reicht ihm einen Cognac und einen Stumpen (Zigarre).

Prolita:
So, und nun lass uns mal ├╝berlegen. ... Wie w├Ąre es denn, hm, mit dem l├Ąngsten Kassenbericht seit Bestehen des F├Ârdervereins? Oder ... der langsamsten Abrissaktion in der Geschichte Buchenbeekes? Aus dem Einbruch in die Ballerbude m├╝sstest Du doch auch was machen k├Ânnen? ..."
M├Ąrchenonkel:
"Ja, ja, alles gute Sachen, aber es fehlt der letzte Kick. Ich w├╝nschte, ich h├Ątte eine richtige Fee, die mir wirklich z├╝ndende Ideen bringen w├╝rde!"

 

Die 2. Szene

Aus dem pl├Âtzlich auftretenden Nebel erscheint Pippo (Till T├╝rnau).

Pippo:
"├ťberraschung! ... Na, habt Ihr mal wieder Probleme?"
M├Ąrchenonkel und Prolita:
"Pippo!!??
M├Ąrchenonkel:
"Was machst Du denn hier? Ich hab' mir doch eine Fee gew├╝nscht?!"
Pippo:
"Bis auf die Oberweite kann ich mit den gleichen Dingen dienen! Also, Du hast doch gerufen?"

Pippo hat sich selbst ein Glas mitgebracht und bedient sich ausf├╝hrlich am Cognac.
M├Ąrchenonkel:
"Wie willst Du mir denn helfen, Ausgeburt der Phantasie? In jeder meiner Geschichten geht es um Dich und jetzt stehst Du vor mir und willst mir helfen. Kann ich mir nicht vorstellen!"
Pippo:
"Ich mir aber schon. Schlie├člich kenne ich alle Deine Geschichten auswendig und ein wenig himmlischer Beistand hat noch nie Jemandem geschadet! Au├čer das eine Mal ... Ach, lassen wir das. Daran war ich fast ganz unbeteiligt ... Also, wo ist das Problem?"
Prolita:
"Ihm f├Ąllt nicht ein!"
Pippo:
Damit hab' ich ja schon lange gerechnet - so platt wie die Geschich-ten zuletzt geworden sind. Prolita, sag mal, wo ist denn eigentlich Sigrid?"
Prolita:
"Die ist mit den anderen Frauen wieder auf Tahiti. Die zweite Staffel 'Girls-Camp' abdrehen."
M├Ąrchenonkel:
"Stimmt! Aber warum bist Du noch mal nicht mit?"
Prolita:
"Mein Hans-Peter hat sich doch im Fr├╝hjahr auf der EXPO so schlimm verletzt und seitdem ist er bettl├Ągerig. Da muss ich als gelernte Sani-t├Ąterin doch bei ihm bleiben."
M├Ąrchenonkel:
"Du bist ein Engel. Die EXPO, klar doch! Das ich da nicht fr├╝her drauf gekommen bin. Da gibt es doch einiges dr├╝ber zu berichten. ... Nur, ich krieg' das gar nicht mehr so richtig auf die Reihe. Das viele Traumburger hat hat doch zu einigen Ged├Ąchtnisl├╝cken gef├╝hrt. ..."
Prolita:
"Und der viele Pfefferminz (Steinh├Ąger) erst. Bei mir sieht es auch nicht besser aus. Lass und doch mit Hans-Peters Zeitmaschine zur EXPO zur├╝ck reisen. Das sollte dem Ged├Ąchtnis auf die Spr├╝nge helfen!"
M├Ąrchenonkel:
"Sehr gut! Also: Vorw├Ąrts in die Vergangenheit!"
Pippo:
"Von wegen Zeitmaschine, das geht ja viel einfacher!"

Pippo schnippt mit den Fingern. Wieder erscheint Nebel, und die Drei befinden sich auf der EXPO. Der M├Ąrchenonkel wedelt den Nebel zur Seite und hustet dabei.

M├Ąrchenonkel:
"Mein Gott, das war kein Furz von schlechten Eltern! Aber was war das?"
Pippo:
"Zeitreisen energiesparend. Nix mit stromfressenden Fluxkompensatoren. ..."
Prolita:
"Seid Ihr alle unverletzt?"
M├Ąrchenonkel:
"Ah ja, die EXPO. ... Mensch, das ist doch gewesen, kurz nachdem Longly den Pfeil in den Hintern gekriegt hat, weil er beim G├Ąstebiathlon vom Weg abgekommen ist!"

Pippo:
"Gut, dass er so lang ist, sonst h├Ątte er ihn in den Kopf gekriegt."

M├Ąrchenonkel:
"So langsam d├Ąmmert's mir  wieder! Das war doch die Geschichte, als der Leitende mit Roderik zusammen gesto├čen ist. ..."

Prolita:
"Genau, das war bei den Statuen. Lass uns da mal hingehen!"

Die Drei setzen sich in Richtung Statuen in Bewegung.

 

Die 3. Szene

Bei den Statuen von Ortrud und Roderik l├Ąuft der Leitende (Hartwig Hassink) hin und her. Er h├Ąlt eine Flasche Pfefferminz (Steinh├Ąger) in der Hand und ist auch schon relativ stark angetrunken.

Leitender:
"Lasst uns was auf dem Festplatz machen, da gibt es immer was zu tun!"
Prolita:
"Der trinkt den Pfefferminz schon wieder aus Wassergl├Ąsern. ..."
Pippo:
"Der wei├č eben, was sich geh├Ârt!"
M├Ąrchenonkel:
"Prolita, dann nimm ihm doch die Flasche weg!"
Pippo:"
"Zwecklos. Wir k├Ânnen weder eingreifen noch k├Ânnen sie uns sehen. G├Âttlichkeit ist menschlicher Technik eben weit ├╝berlegen."
M├Ąrchenonkel:
"Soll das hei├čen, dass ich nicht mal ein Traumburger anner Bude kriegen kann? So ein Mist! N├Ąchstes Mal nehmen wir wieder die Zeitmaschine."
Leitender:
"Wir m├╝ssen den Platz f├╝r den 40-Fu├č-Container noch herrichten!"
Pippo:
"Hat alles seine Vor- und Nachteile. Immerhin besteht so keine Gefahr mit dem Raum-Zeit-Kontinuum."
Prolita:
Wie war das denn nun noch mit Roderik?"

Roderik (Helmut S├Âlter) taucht auf und poltert f├╝rchterlich los!

Roderik:
"Was'n hier los? Was machen diese vielen Leute hier und wie sehen die den eigentlich aus? Das sind bestimmt Eindringlinge aus fernen Landen!"
(Roderik deutet auf die Statue)
"
Der sieht ja aus wie ich, fast. Haben die mir wirklich ein Denkmal errichtet? Na ja, verdient h├Ątt' ich's ja allemal. Aber wirklich gut getroffen haben die mich nicht, und viel zu bunt! Au├čerdem: Normalerweise ist doch so'n Denkmal aus Marmor oder Bronze. Und hier ... billige Pappel. Wenigstens Eiche h├Ątten sie nehmen k├Ânnen. Aber so viel wert war ich denen wohl auch wieder nicht."
(Er schl├Ągt mit seinem Schwert gegen das Roderikdenkmal)
"Oh, ist doch Eiche! Immerhin!"

Leitender:
"Wie l├Ąufst Du denn hier rum? Karneval ist zu Rosenmontag auf den Golanh├Âhen!"
Roderik:
"Wie spricht Du mit mir? Wei├čt Du nicht, wer ich bin? Ich bin H├Ąuptl-ing Roderik von Buchenbryk, alleiniger Bezwinger der R├Âmer und gro├čer Held der Schlacht im Buchenbeeker Wald"
Leitender:
"Du Zwerg willst der gro├če Roderik sein?!" (Er lacht schallend auf)
Roderik:
"Schweig Eindringling, oder ich werde Dich wie ein Wildschwein am Spie├č braten lassen!"
Leitender (kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus):
"Ja, ja, und Deine Ortrud haste wohl auch gleich mitgebracht?!"
Roderik:
"Ortrud, wer soll das sein? Etwa die Witzfigur, die hier neben mich gestellt wurde? Ortrud? Ich kenne keine Ortrud!

Ortrud (Sandra Nahrwold) kommt hinter der Ortrudstatue hervor und poltert ihrerseits los.

Ortrud:
"Was soll das hei├čen, Du kennst keine Ortrud? Kaum biste 2000 Jahre tot, haste mich auch schon vergessen! So sind se, die M├Ąnner! Alle in einen Sack und dann mit der Keule oben drauf! Den Falschen triffste nie."
Roderik:
"Ach, du Schei├če! Wo kommt die denn her?"
Leitender:
"Wie auch immer, wenn Ih schon mal da seid, dann k├Ânnt Ihr Euch auch n├╝tzlich machen. Auf dem Festplatz gibt es immer was zu tun!"
Roderik:
"Wer soll denn mit Dir nach fast 2000 Jahren rechnen? Aber ich h├Ątte es wissen m├╝ssen! Diese komische Figur da, sieht ja schon aus wie Du."
Leitender:
"Wir wollen den Bierwagen gleich aufmachen. Der muss noch best├╝ckt werden, also kommt in Gang!"
Ortrud:
"Das soll ich sein? L├Ącherlich! Guck Dir die doch mal an. Bin ich vielleicht blond? Hab ich vielleicht solche tiefen Augenringe? Und erst die Klamotten! So was h├Ątte ich im Leben nicht angezogen. Die Klothilde, die w├╝rde solche Fummel anziehen. Aber ich bin immerhin die Frau des H├Ąuptlings, da schickt sich so was wirklich nicht. Pah, St├╝mper!"
Leitender:
"Fragt den Schwatzmeister, wo alles steht. Der sagt es Euch!"
Ortrud:
"Und was is das denn eigentlich f├╝r einer, hier? Was will der denn?
Leitender:
"Ich bin der Leitende!"
Roderik:
"Ich wei├č was der will! Auf den Spie├č will der. Wie die Wildschweine."
Leitender:
"Hier gibt es keine Wildschweine. Nur Bratwurst, Steaks, Pommes und Fisch von Lindemann.
Ortrud:
"Der erinnert mich an den trotzigen Markus Botus aus Schrottsche-rum, der wollte sich seinem Schicksal auch nicht f├╝gen!"
Roderik:
"Dem habe ich damals im Buchenbeeker Wald das F├╝rchten gelehrt. Genauso wie ich das hier jetzt mit dem da machen werde."
Leitender:
"Aber Freunde, so hab' ich das doch gar nicht gemeint! Lasst uns doch erst einmal einen Pfefferminz trinken.
Roderik:
"Auf den Spie├č mit Dir, Eindringling"

Roderik l├Ąuft auf den Leitenden zu. Der fl├╝chtet in Richtung B├╝hne. Roderik und Ortrud hinter ihm her.

Ortrud:
"Jawohl, auf den Spie├č mit ihm!"

 

 

Die 4. und letzte Szene

Prolita:
"Jetzt ist mir auch klar, woher Hans-Peter die Verletzungen hat."
Pippo:
"Tja, M├Ąrchenonkel, wenn Du daraus mal keine Geschichte machen kannst!"
M├Ąrchenonkel:
"Ja, nun sehe ich doch einiges klarer. Da steht einer erfolgreichen Lesung 2007 nichts mehr im Wege. Pippo bring uns schnell zur├╝ck, damit ich alles aufs Papier bringen kann!"

Die Drei sind inzwischen wieder auf der B├╝hne angekommen.

Pippo:
"Dein Wunsch ist mir Befehl!" Und Du sagst, dass ich Dir nicht helfen kann?! Ts, Ts ...

Pippo schnippst erneut mit den Fingern. Und als sich der Nebel lichtet, sind die Drei zur├╝ck im November 2007.

M├Ąrchenonkel:
"So, der Bleistift ist gespitzt, die Brenninkmeyer zugek├Âpft, der Buch-binder zurecht gezogen und der Cognac eingeschenkt. Die Notizen sind gemacht. Damit wollen wir es denn auch f├╝r heute bewenden lassen und uns noch das eine oder andere Glas zu Gem├╝te f├╝hren!"

Ende

Als der lang anhaltende Applaus langsam verklungen war, bedankte sich der "richtige" M├Ąrchenonkel J├╝rgen Hentschke noch einmal ganz besonders beim Ensemble des Golanh├Âhen-Theaters f├╝r die gelungene Auff├╝hrung. Quasi als "Revanche" soll es eine zus├Ątzliche Lesung im Kus-Caf├ę "Kleine Freiheit Nr. 4" in W├Âlpinghausen geben.

Mehr Informationen ├╝ber die Golanh├Âhen-Theatergruppe mit vielen Bildern von den schon aufgef├╝hrten St├╝cken gibt es

... hier



´╗┐